1. Früh das Selbstbewusstsein fördern und "Nein" sagen lernen

Prävention muss schon in sehr jungen Jahren beginnen. Kinder sollten schon früh wissen, dass sie ein Recht haben, Berührungen, die sie nicht mögen, wie etwa der Begrüßungskuss von Opa oder die Umarmung des Onkels, zurückzuweisen. Ein Kind muss sich nicht gefallen lassen, was es nicht mag und was ihm unangenehm ist. Darin müssen Eltern ihren Nachwuchs bestärken.


2. Vertrauen und Offenheit
Ein Vertrauensverhältnis zu den Eltern ist sehr wichtig. Kinder sollten immer das Gefühl haben, dass sie sich jederzeit ihren Eltern anvertrauen können. Sie müssen sich sicher sein, dass sie über Erlebtes - auch bei sexuellem Missbrauch - erzählen können, Unterstützung erhalten ohne sich rechtfertigen zu müssen, gleichgültig, was vorgefallen ist. Sucht das Kind das Gespräch, sollten Eltern ihm nie Vorwürfe machen und es immer nur so viel berichten lassen, wie es will und kann. Bedrängen und beharrliches Nachfragen ist nicht ratsam.

3. Opfer sind nie schuld
Betroffene müssen sich immer bewusst machen, dass sie nie schuld sind an sexuellen Übergriffen, auch wenn sie vorher vielleicht mit dem Täter geflirtet und erste Annäherungen zugelassen haben. Das gilt übrigens ebenso bei Pärchen. Auch in einer festen Beziehung handelt es sich um Missbrauch beziehungsweise eine Vergewaltigung, wenn die sexuellen Handlungen oder der Geschlechtsakt nicht im gegenseitigen Einverständnis passieren. Verantwortlich sind immer nur Täter oder Anstifter!

4. Sich wehren und Hilfe holen

Wird ein Teenager sexuell bedrängt, darf er sich auf keinen Fall passiv verhalten. Betroffene sollten laut um Hilfe schreien, sich körperlich zur Wehr setzen, auf ihre Notlage aufmerksam machen und wenn möglich über die Notrufnummer 110 die Polizei verständigen. Sind Freunde in der Nähe, sollten diese versuchen sofort Hilfe zu holen - am besten bei Erwachsenen. Bei Übergriffen in Diskotheken oder Clubs sollte sofort das Sicherheitspersonal des Hauses gerufen werden. Wegschauen und sich nicht verantwortlich fühlen, weil ja noch so viele andere Menschen vor Ort sind, ist unentschuldbar. Zur Prävention könnten Eltern solche Notsituationen zuhause mit ihren Kindern durchspielen. Das gibt eine gewisse Sicherheit.

5. Gegen die Gruppe durchsetzen
Auch aus bestimmten Feiersituationen heraus wie etwa "Flaschendrehen", "Strippoker" oder "Kuss-Marathon" können sich ebenfalls sexuelle Übergriffe entwickeln. Der Alkohol spielt dabei oft eine entscheidende Rolle. Eskaliert ein solches Spiel, sollten sich die Bedrängten auf jeden Fall zur Wehr setzen, sich nicht dem Druck der Gruppe beugen und keine Angst haben als Spielverderber dazustehen. Auch hier gilt: Man muss sich nicht anfassen lassen, wenn man es nicht will.

6. Gefahr von Alkohol
Eltern sollte ihre Kinder immer wieder über die Wirkung von Alkohol aufklären. Teenager müssen sich bewusst machen, dass man zum "perfekten" Opfer werden kann, wenn man über die Maßen Bier, Wein, Cocktails oder Hochprozentiges zu sich nimmt. Wer sich selbst nicht mehr im Griff hat, kann auch die Situation nicht mehr kontrollieren.

7. Gefahr durch K.O.-Tropfen 
Bei der Masche mit den K.O.-Tropfen werden betäubende Substanzen vom Täter heimlich verabreicht, um das Opfer gefügig zu machen. Diese Situation ist äußerst gefährlich, zumal der unheilbringende Cocktail lebensbedrohlich sein kann. Nach Angaben der Polizei sind solche Fälle sehr selten, aber trotzdem sollte jeder bei unübersichtlichen Menschansammlungen, beispielsweise bei Partys oder in der Disco, das eigene Getränk immer im Auge behalten beziehungsweise es beim Gang zur Toilette oder auf die Tanzfläche einer Freundin oder einem Freund anvertrauen.

8. Regeln festlegen 
Eine wichtige Maßnahme zur Prävention gegen sexuellen Missbrauch sind "Ausgeh-Regeln", die Eltern mit ihrem Nachwuchs vereinbaren. 

Dazu gehört:

  • Wenn möglich mit guten Freunden unterwegs sein
  • Nie alleine nachts unterwegs sein und ohne Begleitung den Heimweg antreten
  • Verbindliche Heimkehrzeiten verabreden
  • Sich nie von Fremden mitnehmen lassen, auch nicht von Bekanntschaften, die man erst an diesem Abend gemacht hat
  • Nie Fremde in deren Wohnung begleiten 
  • Wenn öffentliche Verkehrsmittel nicht mehr fahren, ein Taxi mit anderen aus der Clique teilen oder sich zu einer vereinbarten Uhrzeit von den Eltern abholen lassen 

Außerdem sollten Mütter und Väter möglichst immer wissen, welche Orte ihr Kind beim "Um-die-Häuser-Ziehen" ansteuert und vereinbaren, dass es sich zu vereinbarten Zeiten per Handy meldet. Es ist empfehlenswert, auch die Telefonnummern der begleitenden Freunde parat zu haben.

 

9. Aufreizende Kleidung vermeiden

Bei weiblichen Teenagern können sexy Outfits falsche Signale aussenden. Da jedoch Eltern in diesem Alter meist keine Kleidervorschriften mehr durchsetzen können, bleibt ihnen nur, an die Vernunft und das Verantwortungsgefühl zu appellieren und den Mädchen zu verdeutlichen, dass sie durch aufreizende Kleidung ungewollte Reaktionen provozieren könnten.

 

10. Beratungsstellen

Mehr Informationen über das Thema "Sexueller Missbrauch an Minderjährigen" gibt es bei der Polizei oder bei Initiativen wie Wildwasser (www.wildwasser.de) oder Zartbitter (www.zartbitter.de).

 

Quelle: t-online

 

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