Kinderfotos: Recht am eigenen Bild

Generell gilt: Das Recht am eigenen Bild gehört zum Persönlichkeitsrecht. Man darf selbst bestimmen, welche Fotos in welchem Umfang und Kontext veröffentlicht werden. Dabei gibt es jedoch bestimmte Ausnahmen, beispielsweise, wenn man unkenntlich in einer Menge aufgenommen wurde oder nur zufällig vorbeiläuft, wenn gerade eine interessante Sehenswürdigkeit oder eine öffentliche Veranstaltung fotografiert wird. Ansonsten muss die Einwilligung des Aufgenommenen eingeholt werden. Für Kinderfotos sind die Eltern zuständig.

 

Das Kunsturheberrechtsgesetz (KUG) besagt:

"Bildnisse dürfen nur mit Einwilligung des Abgebildeten verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden."
(§ 22 KUG)

Ausnahme: "Bilder von Versammlungen, Aufzügen und ähnlichen Vorgängen, an denen die dargestellten Personen teilgenommen haben." (§ 23 KUG)

 

Kinderfotos: Erkennbarkeit muss gegeben sein

Beispiel: Wenn die Kinder beim alljährlichen Laternenumzug fotografiert wurden und in der lokalen Zeitung erscheinen, können Eltern dagegen erst einmal nicht vorgehen. Es sei denn, es handelt sich um eine Porträtaufnahme des Kindes oder der Name steht unter dem Foto. Dann hätte für die Kinderfotos erst das Einverständnis eingeholt werden müssen.

Handelt es sich um einen weniger öffentlichen Rahmen, muss die Erkennbarkeit des Kindes überprüft werden. Diese Erkennbarkeit wird nicht nur über das Gesicht definiert, sondern auch über die Statur oder andere spezifische Merkmale wie Haarfarbe oder besondere Kleidungsstücke. Bei Kinderfotos mit Namen müssen ebenfalls die Erziehungsberechtigten zustimmen. Das gilt übrigens auch bei nicht kommerzieller Verwendung.

 

Einverständnis von Eltern und Jugendlichen

Bei Babys und Kindern ist der Fall klar: Die Eltern bestimmen über die Veröffentlichung der Kinderfotos. Lehrer können sich nicht auf die Zustimmung eines Kleinkindes verlassen, das sein Handeln mit allen Folgen noch nicht einschätzen kann.

Problematischer wird es bei Jugendlichen. Im Zweifelsfall muss vor Gericht entschieden werden, ob Pubertierende zwischen 12 und 18 Jahren bereits reif genug sind, um selbst ihr Persönlichkeitsrecht wahrzunehmen. Schulen oder Veranstalter von Jugendfreizeiten sollten auf Nummer sicher gehen und ein doppeltes Einverständnis einholen: sowohl von Jugendlichen als auch von Erziehungsberechtigten.

 

Kinderfotos: kein pauschales Einverständnis

Manche Schulen und Pädagogen sind selbst verunsichert, was die Rechtslage angeht. Pauschale, für ein ganzes Schuljahr gültige Einverständniserklärungen scheinen eine unkomplizierte Lösung hinsichtlich des Themas Kinderfotos zu sein. Doch darauf sollten sich Eltern besser nicht einlassen.

Zunächst muss geklärt werden, in welchem Rahmen die Veröffentlichung der Kinderfotos geplant ist. Vielleicht sogar zu einem kommerziellen Zweck? Auf das Internet oder auf Imagebroschüren hat natürlich ein noch größerer Personenkreis Zugriff als auf die Schülerzeitung. Stimmt man der Veröffentlichung zu, sollten Kinderfotos nicht in Verbindung mit dem vollständigen Namen oder der Adresse erscheinen.

 

Verwertung der Kinderfotos verbieten

Finden ahnungslose Eltern Kinderfotos ihrer Sprösslinge, beispielsweise auf der Website ihres Kindergartens, können sie die weitere Verwertung verbieten. Zeigt die Leitung sich nicht einsichtig, gehen Erziehungsberechtigte mit der Abmahnung einen Schritt weiter: Damit fordert man die Abgabe einer Unterlassungserklärung. Schmerzensgeld kann allerdings nur verlangt werden, wenn es sich um eine schwere Verletzung des Rechtes des Abgebildeten handelt.

 

Kinderfotos nicht leichtfertig auf Facebook veröffentlichen

Bei der hohen Anzahl der Nutzer ist es kein Wunder, dass auch Schulen, Kindergärten und andere Jugendeinrichtungen auf Facebook aktiv sein wollen. Datenschützer und Initiativen kritisieren die Präsenz dieser Institutionen in sozialen Netzwerken, denn Veröffentlichungen von Kinderfotos auf Facebook sind besonders heikel. Beim Hochladen tritt der Nutzer nämlich gewisse Rechte am Bild an Facebook ab. Die weitere Verwendung kann dann nicht mehr selbst gesteuert werden.

Groß ist auch die Sorge wegen Pädophiler, die nachweislich über Facebook Kinderfotos kopieren und mit Kindern Kontakt aufnehmen. Daher sollten Schulen und Kindergärten die Erziehungsberechtigten auf das Risiko von Bildveröffentlichungen in sozialen Netzwerken hinweisen: weltweite Abrufbarkeit der Kinderfotos sowie Nutzung und Veränderung der Bilder in anderen Zusammenhängen.

 

Kinderfotos im Internet

An die Risiken sollten auch Eltern denken, die oft selbst recht offen mit dem Thema Kinderfotos im Internet umgehen.

Das zeigt auch eine Analyse, bei der 2.200 Mütter in den USA, Kanada, fünf europäischen Ländern (darunter Deutschland), Australien, Neuseeland und Japan befragt wurden – mit dem Ergebnis:

  • 81% haben bereits Fotos ihrer Kinder unter 2 Jahren online veröffentlicht.
  • In Deutschland sind 71% der Kleinkinder unter 2 Jahren bereits mit Foto online vertreten.
  • 30% der befragten deutschen Mütter haben Fotos ihres Neugeborenen ins Netz gestellt.
  • 15% veröffentlichten ihre Ultraschallbilder.
  • 7% der Babys in Deutschland haben schon eine eigene E-Mail-Adresse.

Quelle: Internet-Sicherheitsfirma AVG, 2010

Zum Schutz des Kindes sollte man sich auch selbst im Internet einschränken: Anstatt Kinderfotos auf Facebook zu teilen, kann man dafür eine eigene Homepage erstellen. Diese schützt man durch ein Passwort, das man nur an einen kleinen Bekanntenkreis weitergibt.

Quelle: www.ruv.de

 

Gesetzliche Bestimmungen

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